Die Form meines Lebens

Wenn jemand den Bodybuilding Sport betreibt, dann sollte er ja zumindest auch irgendwo danach aussehen. Und damit meine ich nicht die Kleidung. Das das nicht immer klappt und eine „Massephase in der man es sich gut gehen lässt“ aus dem Ruder laufen kann, möchte ich hier beschreiben. 

 

Anfang September sollte eine große Familienfeier stattfinden. Und da hab ich mir dieses Datum als Ziel gesetzt, in der bestmöglichen Form meines Lebens zu sein. Nicht das ich da den Chippendale-Tänzer raushängen lassen möchte. Einfach nur, damit ich ein Datum habe, auf das ich hinarbeiten kann. Eine komplette Wettkampfdiät sollte das ganze sowieso nicht werden, da ich dann zu viel Masse verlieren würde. Muskelmasse die ich mir mit harter Arbeit wieder antrainieren müsste um dann in frühestens 2 Jahren selber mal auf der Bühne zu stehen. Aber nichtsdestotrotz sollte das ganze schon ernst genommen werden. Im April wollte ich damit anfangen. Das ich jetzt 3 Wochen vorher damit angefangen habe, habe ich Valentin Tambosi, einem Natural Bodybuilding Profi, zu verdanken, der in Düsseldorf auf einem Seminar mal über mich drüber geschaut hat. Das Fazit war: Ich war viel zu fett. Also erstmal einen Minicut einlegen. Der Zeitpunkt war perfekt um mir nochmal ein riesen Stück Motivation mit auf den Weg zu geben. Irgendwann steht der Muskel und Fettzuwachs nicht mehr in Proportion und man wird einfach nur noch fett. Das war bei mir ebenfalls der Fall. Ich war zwar Stark, aber hatte halt auch keine Form. Das sollte sich ab dem 12. März, den Montag nach dem Seminar dann ändern.
Die Diät lief anfangs super. Ich fuhr ein Kaloriendefizit zwischen 200-500kcal von dem was ich laut meines Fitnesstrackers täglich verbrauchte. Da wir mitten in den Renovierungsarbeiten einer Wohnung waren, haben wir am Wochenende auch mal abends Pizza bestellt, weil keine Zeit zum kochen blieb. Auch generell deftiges essen habe ich nicht immer links liegen lassen. Habe dabei aber immer an mein Ziel gedacht und blieb selbst mit diesen Cheat-meals im Kaloriendefizit. So nahm ich die ersten Wochen durchschnittlich ca. 1kg pro Woche ab. Natürlich nimmt man viel ab, wenn man auch viel Fett mit sich rumschleppt. Und je niedriger man mit dem prozentualen Körperfettanteil kommt, je schwerer wird dann auch das abnehmen. Aber dann heißt es weiterhin durchbeißen und nicht aufgeben. Auch wenn das Gewicht mal 2-3 Wochen stagniert. Ich wog mich täglich und freute mich, als das erste mal, seit langem, eine „7“ vorne stand. Ich ernährte mich nach wie vor sehr „clean“ und lies die „Cheat meals“ mehr und mehr weg, denn mit sinkendem Gewicht, sinkt natürlich auch der Gesamtumsatz des Kalorienverbrauchs. Klar blieb dann nicht mehr so viel Platz in meiner Trackingapp für leckere Grillsoßen oder Süßigketen. 

Und dann war es soweit! Der Umzug stand bevor. Also wurde die Küche leer geräumt und in Kartons verpackt. Was das für einen Bodybuilder heißt, der auf Diät ist? Wenn man keine Küche hat, kann man auch nichts zum zu- bzw. vorbereiten. Also blieb das kochen aus und ich ernährte mich größtenteils von trockenem Thunfisch in Kombination mit Maiswaffeln. Zum Glück hatten wir einen brutalen Sommer und der Grill stand als willkommene Abwechslung bereits im Garten, der neuen Wohnung und diente für das herrichten von Hähnchenbrust. 

Allerdings war der Sommer so dürr, dass ich auf der Feuerwache nachts aufgrund von ständigen brennenden Feldern oder anderen vertrockneten Pflanzen oft raus musste. War ich nicht im Einsatz, konnte ich auch so aufgrund der Hitze nicht pennen. Der Umzug selbst war auch nicht ohne und so waren 340 Stockwerke pro Tag die ich mit Möbeln, Kisten und sämtlichen anderen Kram rauf und runter rannte, keine Seltenheit. Dazu habe ich mein Training auch noch voll durchgezogen. Auch die Diät lief noch in vollem Gange. Allerdings hat die Hitze und der Umzug mir so extrem zugesetzt, dass ich die Priorität auf den den Umzug setzen musste. Und so kam die Ernährung komplett zu kurz. Ich war froh, wenn ich zwischendurch überhaupt etwas gegessen habe. Und um irgendwie auf wenigstens ein paar Kalorien zu kommen, habe ich auch mal Pizza oder Gyros gegessen. Ich habe gemerkt, dass mir alles einfach zu viel wurde. Und so ließ ich die Diät ein bisschen lockerer angehen und aß einfach das, was gerade da war. Trotzdem blieb ich täglich im Kaloriendefizit. 

Und dann war es soweit. Wir schliefen endlich im neuen Heim und der Umzug war größtenteils erledigt. Also wurde der Fokus sofort wieder auf die Diät gerichtet und die Zügel noch strammer, als zuvor, angezogen. Zudem wurde mir bewusst, dass ich, in der bis Dato, besten Form meines Lebens sein würde und die Chance für ein paar Bilder nutzen sollte. Und so wurde aus der anfangs lockeren Diät, eine knallharte Wettkampfdiät, in der ich das beste noch aus mir rausholen wollte, was bis zu meinem gesetzten Datum noch drin war. Den ganzen August über gönnte ich mir absolut nichts und versteifte mich auf Thunfisch, Hähnchenbrust, Reis und Kartoffeln. Klar war auch Gemüse mit dabei. Mitte August schrieb ich Matthias von Athletes Photography an und fragte nach dem letzten Termin, der für mich gepasst hat. Mittwoch den 5. September, sollte unser Fotoshooting stattfinden. Natürlich habe ich mich dann auf das Fotoshooting konzentriert und das als meinen neuen Stichtag gewählt. Ca. 2 Wochen vorher habe ich noch mit dem bayrischen Meister Michael Schirmer telefoniert, was er mir dazu rät, um zum Schluss noch mal das beste rauszuholen. Da ich noch weit von einer Wettkampfform entfernt war, sollte ich alles so belassen, wie ich es bis dato durchgezogen habe. Das hieß für mich: weiter mit 200g Kohlenhydraten arbeiten. Dann gab er mir noch einen echt guten Rat mit auf den Weg: „Viele glauben immer, dass sie in der Peak Week (letzte Woche vor dem Wettkampf) noch richtig was rausholen können bzw. Verbessern. Aber man kann genauso viel kaputt machen.“ Die darauffolgende Woche verlief auch weiterhin so, wie sie nach dem Umzug gedacht war. Ich hielt das Fett tief und die Kohlenhydrate nicht über 200g. In der letzten Woche vor dem Shooting war ich aber nicht so komplett zufrieden mit der Form und es musste doch noch etwas runter. Also hab ich mich doch, gegen den Rat von Michael, zum Entwässern entschieden. Ich setzte alles auf eine Karte in der Hoffnung,  doch noch etwas rauszuholen. Freitags begann ich mit dem Entladen und bei keinen Kohlenhydraten schraubte ich das Salz hoch und trank dazu 8-9l über den Tag verteilt. 

Salz speichert das Wasser unter der Haut und durch diese erhöhte Salz- und Wasserzufuhr wird dem Körper vorgespielt, dass genügend davon zur Verfügung steht. Und so beginnt der Körper das Salz und das Wasser auszuspülen. Kohlenhydrate speichern Wasser im Muskel. Durch das weglassen der Kohlenhydrate und eines HIIT Ganzkörpertrainings leert man die Glykogenspeicher komplett und somit wird der Muskel auch flach und verliert ebenfalls das Wasser. Durch dieses entladen der Glykogenspeicher kann man einen Effekt zu seinem Vorteil nutzen, indem der Muskel beim aufladen der Speicher über seine normalen Kapazitäten, mehr einspeichert als sonst. Das Ergebnis ist diese gewünschte „Prallität“. 

Zurück zum Wasser und Salz. Nach 3 Tagen mit viel Salz und viel Wasser, habe ich für die letzten 3 Tage meine Wasser- und Salzeinnahme drastisch reduziert. Der Körper spült aber weiterhin Wasser und Salz aus, obwohl nichts mehr nach kommt. Bis der Körper das realisiert, verliert man das ungewünschte Wasser unter der Haut. Das Zeitfenster ist nicht groß in dem man sich diesen Effekt zu nutze macht und erfordert deshalb genaues Timing. Jedenfalls aß ich so wenig Salz wie möglich und trank auch nur noch 1-2l täglich. Dafür schraubte ich meine Kohlenhydrate auf moderate 350g täglich hoch. Ich hätte auch mehr nehmen können um noch „praller“ zu werden. Da dies aber meine erste „Peak Week“ war, wollte ich nicht überladen und Gefahr laufen, Wasser zu ziehen. Die Form wurde tatsächlich besser und besser und ich habe durch diese Entwässerung nochmal 2kg abgenommen. Der rege Austausch mit Felix Lange, einem Nachwuchs Natural Bodybuilder, bestärkte mich in meinem tun. Alle 3 bis 4 Stunden gab es ein „Form-Update“ per Foto. Ich bangte, dann doch Wasser zu ziehen, aber ich konnte die Form, mit der ich Dienstagabend wirklich zufrieden war, dann auch noch bis zum Shooting, Mittwochabend halten. Während der letzten 3 Tage trainierte ich garnicht um die Glykogenspeicher nicht zu leeren und um so Prall wie möglich ins Shooting zu gehen. Und dann war es soweit! Der Mittwoch Abend war da und ich fuhr voller Vorfreude nach Köln ins „Trainingslager“, wo das Shooting statt fand. Nachdem das Gym um 22 Uhr schloss, begannen wir. Das Ergebnis seht Ihr ja auf den Bildern, hier. Überglücklich und wirklich zufrieden mit der Form und den Bildern, lud ich Matthias noch auf einen Döner ein. Das habe ich mir verdient und ich hatte wirklich extremen Bock auf Brot in Verbindung mit Fleisch. Am anderen morgen war ich noch mal eine Ecke praller. Das hing laut Coach Valentin am Salz. 

Fazit meiner Diät: Klar macht Essen einen riesigen Spaß. Aber in meinen Augen verliert man in der heutigen Gesellschaft viel zu sehr den Bezug zum Essen und weiß leckeres Essen garnicht zu schätzen. Die meisten Menschen stopfen einfach Unmengen an Kalorien in sich rein und wissen überhaupt nicht, was sie da essen. Ist auch absolut ok. Man darf sich dann halt nur nicht beschweren, wenn man aussieht, wie ein ein Sack Muscheln. Steh einfach zu Deiner Figur und dazu dass Du ein Genussmensch bist. Genießen ist schließlich Lebensqualität und außerdem macht es Glücklich. Und was macht im Leben mehr Sinn als Glücklich zu sein? Ein 50er Oberarm, klar. Aber auch der macht Glücklich. Und ich für meinen Teil kann eins sagen: Diese Disziplin und harte Arbeit formte meinen Charakter mehr als jedes Geschmackserlebnis. Die Erfolge, die man Woche für Woche vor dem Spiegel und auf der Waage sieht. Jede Vene, die man freilegt. Jeder neue Streifen in der Schulter. Und der immer sichtbarer werdende Sixpack sind für mich alle Strapazen wert. Und die Erfahrung, die ich über mich und meinen Körper gelernt habe, kann mir niemand mehr nehmen. Und ich bin noch weit von einer Wettkampfform entfernt gewesen. Aber für das nächste mal weiß ich, dass ich im Aufbau nicht mehr so schwer werden will. Das war alles nur unnötiges Fett, dass auch wieder seine Zeit benötigt, bis man es los ist. Das nächste mal wird die Diät dann kürzer, und ich muss vom Gewicht nicht mehr so viel abnehmen und sehe dann trotzdem noch besser aus. Entwässert habe 6 Monate zuvor 15kg mehr auf die Waage gebracht. 

Ob Du jetzt die letzten paar Kilos verlieren musst um in Wettkampfform zu kommen, oder ob Du stark übergewichtig bist und deine Körperform Dich in deiner Lebensqualität und Psyche einschränkt. So steinig der Weg doch ist, gib nicht auf, denn die Erfahrung, die Anerkennung (egal ob durch neidische Blicke oder positives Lob) und den Stolz kann Dir keiner mehr nehmen.