Fibo 2018 - Review

 Jedes Jahr Anfang April ist die Fibo. Hier trifft sich das das "who is who" der deutschen- und internationalen Fitness- und Bodybuildingszene. 
In den sozialen Medien geht es spätestens Anfang März los. Da berichtet jeder Himbeertoni von seinem Fibocut um auch an diesen Tagen in seiner bestmöglichen Form zu sein. Das Ergebnis nennt sich dann "Fibo ready" oder "shredded as Fuck". Dabei ist es komplett egal, ob man nur Besucher ist. Man zieht einen  "Stringer" an (Nein, es ist nichts perverses! Früher hieß es Tank Top oder Achselshirt) und präsentiert seine Ärmchen in der Hoffnung, dass sein Fitnessidol ihn bemerkt und ihm gut zuredet, so weiterzumachen. Der Fitnessyoutuber nimmt die Chance dankend an und kann ein wenig Abwechselung in seinen Kanal bringen. Dann heißt ein Video nämlich "Fibo Vorbereitung" und nicht, wie die anderen: "Full day of eating", "10000kcal Challenge" oder "Epic Cheatday". 

Jedenfalls kamen wir, ganz normal gekleidet zur Messe. Wir, das sind 3 Freunde, mein Vater, der mich schon immer hierher begleitet und ich. Alle Bodybuilding interessiert. Erstmal auf dem Messegelände, ist mir gleich aufgefallen, wie "leer" es doch an einem Donnerstag ist. Wenn ich an letztes oder vorletztes Jahr denke, ist es dieses Jahr echt angenehm leer gewesen. Man konnte super überall langgehen ohne, dass es sich staute oder bemerkenswert voll wurde. Zuerst checkten wir die Hallen ab, in denen man Maschinen, Hanteln und alles was ein Gym so braucht, kaufen oder zumindest anschauen konnte. Dabei fiel besonders auf, dass es kein blankes Eisen mehr in Form von Hanteln, oder Scheiben gab. Alle Gewichte besitzen heutzutage einen Gummi-Überzug. Der Spirit des Eisens und dem klappern der Stangen beim herausnehmen aus dem Ständer geht somit leider verloren. Aber 100kg werden immer 100kg bleiben. Außer man ist auf dem Mond. Dafür gibt es dann eben nicht mehr so viele kaputte Böden, durch fallengelassene Gewichte. Bei den Maschinen im Kraftsportbereich selbst ist das Eisen oder bzw. das Vierkantrohr noch zu finden. Aber auch hier geht der Trend schon leicht zurück und hinter so manchen Maschinen stecken kleine Computer. Es wird das Image verkörpert, dass ein gesunder und wohlgeformter Körper total einfach zu erreichen sei und genauso viel Spaß macht, wie PlayStation spielen. Der neumoderne, nichtsahnende Fitnessstudiobesucher findet das natürlich ansprechend. Ich kann es ihm nicht verübeln,... eine gewünschte Figur mit  ein bisschen Blödsinn machen, zu erreichen, macht natürlich mehr Spaß, als sich zu quälen. Man setzt oder stellt sich nun in irgendein abgespactes Gerät und drückt oder zieht mit dem vorgegeben Körperteil. Dabei muss visuell möglichst viel passieren. Über tausend Hebel und Züge muss sich bestenfalls am anderen Ende des Raumes ein Gewicht von 200kg bei 0 Ertüchtigung heben und irgendwo anders muss ein Licht aufblinken. Das ist jetzt natürlich überspitzt, aber es scheint, als läuft der Trend in diese Richtung. Das ehrliche Stemmen von Eisen scheint für die Masse nicht ansprechend genug zu sein. 

Und dann war es soweit. Wir kamen zu den Hallen 10.1 und 10.2 welche die "Fibo Power" beheimateten. In der oberen, der beiden Hallen, gab es die Bodybuilder zu sehen, die bei ihren Sponsoren für Bilder und Autogrammen mit Fans bereit standen. Doch zuerst gingen wir in die untere Halle. Hier waren die Fitnessyoutuber und Influencer zu finden. Hier gab es sogar eine Influencer-Lounge. Weiß der Kuckuck, welcher Schwachmat sich da ernsthaft hingesetzt hat. Wir haben leider keinen gesehen. Man muss schon sagen, dass so manche Stände hier wirklich heftig aufgezogen wurden. Rocka- Nutrition von Julian Zietlow hat da glaub ich den krassesten Stand gehabt. Das wird ein paar Mark gekostet haben. Hier ging schon einiges ab. Aber trotzdem war es so leer, dass ein "Schmale Schulter" sogar mal ganz alleine, ohne Fans im Rampenlicht stand. Hat man sich aber die Stories von ihm mal zwei Tage später angeschaut, da konnte man erkennen, dass der Bursche auch anders kann. Da ging kein Blatt zu Boden. Der Boom bei solchen Firmen und Youtubern liegt sicherlich an der Greifbarkeit. Die Firmen nehmen Leute unter Vertrag, mit denen sich die Kids identifizieren können. Es werden keine Mutanten mehr vergöttert, sondern Leute die sich über die sozialen Netzwerke gut vermarkten lassen. Das manche Vorbilder das ausnutzen um Kohle zu scheffeln versteht sich traurigerweise von selbst. Der Titel des "Natural"-Athleten scheint in dieser Welt mit einem Doktortitel gleichgestellt. Ob man ohne verbotene Medikamente trainiert, oder nicht, ist egal. Hauptsache man ist "Natty". Und so stehen auch Clowns an ihren eigenen Ständen, die Dampf im Ärmel, wie ein Braunkohlebagger haben, aber fast sogar noch selber glauben, dass sie so einen Oberkörper nur durch langes Training erreicht haben. Vom Unterkörper braucht man da dann leider nicht mehr reden. Der war nämlich noch weniger als "Natty". Der war "Im Club sieht man die Beine nicht". Jeder soll sich bitte seinen  "perfekten" Körper so meißeln wie es ihm persönlich am besten gefällt. Aber wenn jemand keine Beine trainiert, dann kann ich so jemanden nicht ernst nehmen. 

Oben in der Bodybuilding Halle, sah das aber alles schon anders aus. Die altbekannten Nahrungsergänzungshersteller hatten fast alle Ihre Aushängeschilder über das Wochenende am Start. Jetzt hatte man die Chance, die Profis mal live zu sehen und ihnen die Hand zu schütteln. Leute, die sich ihre Körper mit Jahrelanger Arbeit und Qual erarbeitet haben. Selbst jetzt kann der letzte Leser erkennen, dass mein Herz für das Bodybuilding schlägt. Mein Buddy Max und ich hatten uns schon im Vorfeld wie kleine Kinder auf unsere Idole gefreut. Da war z.B ein David Hoffmann. Ästhetik mit viel Muskulatur und den richtigen Proportionen stellen ihn für mich persönlich an die Spitze des deutschen Bodybuilding's. Auch ein Foto mit der größten deutschen Hoffnung, Tim Budesheim zeigt erstmal wie schmal man selbst ist. In dieser Halle fühlten wir 5 uns alle wohl und wir hatten einen riesen Spaß.  Am "All Stars" Stand war eine riesige Schlange für Markus Rühl! Klasse, zu sehen, dass die alten Helden immer noch beliebt sind. Und dann kam mein persönliches Highlight: Ronnie Coleman, der 8 malige Mr. Olympia kam gerade an seinem Stand an, während  wir uns schon einen Platz in der Menschenmenge sicherten um ein Foto mit ihm zu machen. Das schlimme ist, dass "The Big Nasty" im Rollstuhl reingefahren wurde und 2 seiner Mitarbeiter ihm auf einen Hocker halfen. Ronnie hat extrem schwer trainiert und irgendwann haben die Knochen einfach nicht mehr mitgemacht. Nach zahlreichen Operationen an der Hüfte wird er hoffentlich bald nicht mehr auf den Rollstuhl oder die Krücken angewiesen sein. Ronnie ist eine lebende Legende! Jedenfalls hab ich ein Autogramm bekommen und ein Foto mit ihm machen können. Ja, ich weiß. Wie ein kleiner Fanboy. Aber bei so einem Ausnahmeathlet kann ich einfach nicht anders. So langsam machten wir uns dann auf den Rückweg. Am Stand von "Technogym" wollte ich unbedingt noch ein Foto mit Robert Förstemann machen. Er ist kein Bodybuilder. Aber das ist auch komplett egal. Bei den olympischen Spielen hat er Bronze im Bahnradfahren geholt und hat den Spitznamen "Quadzilla". Ich kenne wirklich niemanden, der nach Tom Platz aka. Mr. Leg nochmal solche Beine hatte. Robert Förstemann ist jedenfalls ein unfassbar sympathischer Kerl, von dem man einfach nur Fan sein kann! In Halle 7 lief mir noch Andreas Pürzel (siehe Interview) über den Weg. Wir begrüßten uns herzlich und tauschten das Feedback von dem Interview mit Andi und Valentin aus. Und auch dann war es für uns soweit. Wir verließen die Fibo 2018. 

Fazit: Die Fibo enttäuscht auch dieses Jahr nicht. Man konnte zwar viel weniger Eiweißshake-Pröbchen abstauben, als in den Jahren davor. Aber dafür war es leerer und viel angenehmer. Unsere Helden waren alle super drauf und extrem freundlich. Und auch an den riesen Fan-Schlangen bei z.B. Markus Rühl sieht man, dass ich mit Max nicht die einzigen Fan Boys waren und das es auch viele andere gibt, für die Bodybuilding ebenfalls der geilste Sport der Welt ist.