Interview mit den Profis Andreas Pürzel und Valentin Tambosi

Die nervige Facebook-Werbung ist dann doch nicht so verkehrt, wie die meisten meinen. Beim typischen Zeitvertreib, dem scrollen durch meinen Newsfeed, stieß ich auf das Buch „Trainingsplanung“ von Intelligent Strength. Da ich mich als Personal Trainer und leidenschaftlicher Bodybuilder immer gerne mit Literatur zu diesen Themen fort- und weiterbilde, war es einen Klick auf die Werbeanzeige wert.

Das las sich alles vielversprechend und ich informierte mich erstmal über die zwei Brüder, die dieses Buch geschrieben haben. Die Burschen sind in meinem Alter. Alex, der ältere, ist Kraftdreikämpfer, Andreas ist Bodybuilder und Gründer von „Das GYM“. Dem wohl besten Gym der Welt. Wöchentlich sehe ich Andi Screenshots von 5 Sterne-Bewertungen auf Facebook posten in denen „Das GYM“ als das Paradies des Bodybuildings beschrieben wird. Ich selber hatte noch nicht die Chance, diese heiligen Hallen zu betreten. Aber es steht definitiv auf meiner Bucketlist. Wie es sich für einen österreichischen Bodybuilder gehört, wird Arnold Schwarzenegger hier als der Messias des Bodybuildings vergöttert. 

Generell haben die beiden Pürzel-Brüder etwas geschaffen, dass seinesgleichen sucht. Nicht nur die Bücher und ihr Fitnessstudio, sondern auch Ihre Ausdrucksweise gehören zum Intelligent Strength Imperium. Selbst in den Büchern wird neben einer geballten Ladung Wissens auch alles verständlich und nicht langweilig erklärt. Und wenn die Jungs sagen „Reiß der Kuh den Schädel aus“, dann soll der politisch korrekte Veganer sich nicht angegriffen fühlen. Es ist vielmehr eine Metapher die Dich nur motivieren soll, alles zu geben. 

Und dann ist da noch so ein Typ, der neben Andi wie ein besessener Trainiert und absolut professionell als Personal Trainer, Online Coach und Wettkampfvorbereiter ebenfalls ein Teil des Intelligent Strength - Team ist. Valentin Tambosi. Das erste mal habe ich seinen Namen gelesen, als Andreas von einem Chicago-Trip, in einem Blog, berichtete. Andi’s Freundin Mirella und Valentin wurden dort letztes Jahr im Mai Profis. 

Mittlerweile sind Andreas und Valentin regelmäßig in Deutschland und Österreich unterwegs um Seminare zu geben. So wie auch auf dem Seminar „Fettfreie Masse“, in Düsseldorf. Ich habe das Glück vor dem Seminar ein Interview von Ihnen zu bekommen.

Immer mit dabei: Andreas’ Bruder Alex und Freundin Mirela

Andreas, fangen wir mit Dir an. Wie sind Deine aktuellen Kraftwerte (Kniebeuge, Kreuzheben, Bankdrücken) bei welcher Größe und welchem Körpergewicht?
Andreas: Man könnte sagen: „Ich bin ein schwaches Arschloch“, zumindest im Vergleich zu früher. Aber gleichzeitig muss ich erwähnen, dass das auch komplett egal ist. Mein Job ist es, nicht mehr möglichst viel Gewicht von Punkt A nach Punkt A zu bewegen, sondern unterschiedliche Muskelfasern mit Spannung zu mästen. Außerdem ist Kraft mehr als alles andere von genetischen Faktoren abhängig, also hat die äußere sichtbare Kraft nicht mit der inneren Muskelkontraktion zu tun. Aber genug mit den Ausreden. Trotz all dieser Tatsachen muss und kann auch jeder eine Mindestkraft aufbauen, unabhängig, was Mama und Papa euch mitgegeben haben. Weil ein 10RM mehr mit Hypertrophie korreliert als ein 1RM, gebe ich diese Werte preis:

  • Squat 160kg
  • Bench mach ich nicht, aber wenn ich drauf gehe, dann 140kg
  • Deadlift mach ich auch nicht und zwar seit ca. 6 Jahren nicht mehr. Aber wenn du mir eine Machete an die Kehle hältst,  dann ca. 220kg 10mal.

Erzähl doch bitte einmal von Deinem Werdegang und wie Du es geschafft hast, die Marke „Intelligent Strength“ mit allen dazugehörigen Sachen wie „Das Gym“ ins Leben zu rufen.
Andreas: Darüber schreibe ich mal ein Buch. Die Kurzform sieht ca. so aus:  Der kleine hässliche Andi wird mit Anfang 20 von seiner Freundin verlassen. Er ist zu dieser Zeit bereits ein Strongman, obwohl er eigentlich immer Bodybuilder werden wollte. Fertig von dem Beziehungsaus begibt er sich auf Selbstfindungstrip nach Mittelamerika. Von Menschen umgeben, die nie eine Chance bekommen, lernt er dort, dass der Charakterzug „risikofreudig“ der Schlüssel zur Progression ist. „Alles was man verlieren kann, ist Kohle, und die ist sowieso nur bis zum Tod ausgeborgt“. Also startet er damit, über Facebook Seminare und Outdoortrainings anzubieten. Es klappt, alle Versagensängste waren Bullshit. Deswegen auch der Slogan „No Bullshit“. Darauf entwickelt sich die mittlerweile wohl heißbegehrteste europaweite Trainerausbildung. Einige Bücher erscheinen, und der Drang nach einer eigenen kleinen Welt – einem Gym – wird immer größer. So kommt es auch am 01. April 2016. Zusammen mit vielen wichtigen Menschen entsteht „der Himmel“. Das Ziel ist, neben Muskelmasse und Kraft vor allem den Charakter zu stärken. Dieses Gym genießt eine ständige tägliche Progression. Eines ist für mich sicher: Es wird ein unerreichbares, weltweit bekanntes Zentrum der Geilheit werden. Ich geb alles dafür und liebe den Weg dorthin.

Offensichtlich ist „Das Gym“ Dein Baby und es scheint so viel Liebe zum Detail zu geben, dass ein Tagesbesucher sicher nicht alles auf einmal wahrnehmen kann. Wie wichtig ist Dir diese Liebe zum Detail?
Andreas: Ich glaube, dass „Happiness“ allgemein – aber auf jeden Fall bei mir – in dem ständigen Streben nach Progression liegt. Eine Entscheidung treffen und alles geben. Genau das mache ich. Ich investiere jeden Cent in die Hütte – das macht mich happy. Und ich glaube, viele andere auch. Ich liebe die Stories hinter all den Geschehnissen im Gym: Wo wir Bilder ergattert haben, wie ein 500kg schwere Terminator vom Ceasars Palace nach Wien kommt und vieles mehr. Es ist mein Hobby, meine Leidenschaft und meine Berufung. Ich kenne jede Ecke auswendig.

In Düsseldorf und manchen heißen Pflastern im Ruhrgebiet haben die Fitnessstudio-Discounter teilweise Security-Personal zur Primetime auf der Trainingsfläche rumlaufen. Wie sieht es da bei Euch und euren Mitgliedern aus? In Deinen Instagram-Stories macht „Das GYM“ immer einen sehr familiären Eindruck.
Andreas: Es gibt bei uns kein einziges Arschloch. Diese überleben nicht unter der Geilheit. Hier entstehen Freundschaften und Beziehungen, Gleichgesinnte treffen sich und wollen in jeder Hinsicht wachsen. Genau auf diese Zwischenmenschlichkeit, die Gänsehaut beim Betreten des Gyms, das motivierende Umfeld und das Vergessen von Problemen im restlichen Leben ist unser Konzept ausgerichtet. Wir haben keine Probleme. Warum? Weil wir den Leuten zuhören und mit ihnen Klartext reden. Das ist ein Privileg und so verstehen wir und werden verstanden.

In Deinem Gym trainieren Bodybuilder, Powerlifter, Strongmen und alle anderen, die für den Kraftsport leben. Ihr habt vor kurzem die Österreichische Meisterschaft im Kraftdreikampf im Gym ausgetragen. Hast Du auch schon mit dem Gedanken an einen Bodybuilding-Wettkampf gespielt? Wann kommen die „Intelligent Strength - Classics“?
Andreas: Diese vergangene Staatsmeisterschaft im Kraftdreikampf war ein Event, das Seinesgleichen sucht. Wir haben wieder mal maßlos übertrieben. Damit verdient man zwar kein Geld, aber  man wird legendär. Ich liebe Bodybuilding und es wird in Zukunft einen dementsprechenden Wettkampf geben.

Andreas Pürzel (Instagram: @intelligentstrength)

Wo siehst Du Dich und „Das Gym“ in 10 Jahren?
Andreas: Wie gesagt, Progression ist das Ziel. Das bedeutet aber nicht nur mehr, im Sinne von klassischer Expansion. Ich meine damit auch meine Persönlichkeit. Ich hab eine gewisse Vorstellung von Intelligent Strength – um das umzusetzen, sind noch viele Jahre notwendig. Einige Beispiele: Eine Bekleidungslinie soll her. Die Ausbildungen und Bücher sollen auch englischsprachig angeboten werden. Dem Gym fehlen noch wichtige Geräte und anderes Inventar – es soll auch ein Museum des Kraftsports werden. Ich möchte, dass sich mein Team (Mitarbeiter) dort verwirklichen kann. Ich möchte unser Büro wie eine Wohnung gestalten, wo alle auch in der Freizeit abhängen und Pläne schmieden können.  

Ich möchte etwas auf dieser Welt erreichen, meine Umwelt aktiv mitgestalten und idealerweise etwas Bedeutsames schaffen und andere Menschen damit erreichen. Dabei geht es mir sehr viel um Spaß. Vieles sehe ich als Spiel, und bei diesem Spiel möchte ich ganz vorne mitmischen. Keiner spielt ein Videospielt, in dem man einfach gewinnt, ohne Herausforderung – es ist uninteressant. Wieso zum Teufel ist das bei vielen Menschen im Leben nicht so. Das habe ich nie verstanden.

Persönlich sehe ich mich aber auch eine längere Zeit als „Aussteiger“ mit einem Powerrack in einer Holzhütte in Schweden – Squaten und Bücher schreiben.

Du hast selber im November 2017 die Proficard in Los Angeles, Kalifornen gewonnen und in Vorbereitung auf diesen Wettkampf an einigen anderen teilgenommen. Wie lange war generell Deine ganze Diät?
Andreas: Ich hab meine Diät am 01. Mai gestartet und hatte meinen Hauptwettkampf Anfang November, somit 7 Monate.

Bist Du während der Vorbereitung auch mal an einen Punkt gekommen, an dem Du am liebsten alles hättest hinschmeißen wollen?
Andreas: Nein.

Was hat Dir während der Diät und großen Kaloriendefiziten am meisten gefehlt?
Andreas: Germknödel.

Hand aufs Herz. Hast Du als naturaler Bodybuilder nicht auch schon mal daran gedacht, den Blinker Links zu setzen? Und was hat Dich davon abgehalten?
Andreas: Früher habe ich oft daran gedacht. War 2 mal kurz davor. Damals muss man sagen, dass es wirklich Glück war, also für mich, Ronnie Coleman würde hier eine andere Antwort geben und das zu recht. Für ihn war es Glück, dass er draufgegangen ist. Aber als 17- jähriger bist du einfach nicht fähig, eigene Entscheidungen zu treffen, und lässt dir von anderen zu viel einreden. Im Endeffekt glaube ich, dass mich mein Bruder abgehalten hat. Er hätte mich fertiggemacht, wenn ich auf Stoff gegangen wäre. 

Andreas am Wettkampftag - Back Double Bizeps Pose

Heute ist das für mich keine Option. Warum? Weil einerseits Naturalbodybuilding große Popularität genießt, und die Wettkämpfe wirklich „fette“ Veranstaltungen sind. Und andererseits ist einfach unglaublich viel drinnen ohne Steroide. Also man kann echt arg aussehen. 

Ich muss aber sagen, dass Natural-Bodybuilding nicht besser oder schlechter ist als „das richtige Bodybuilding“. Beides ist geil. Und ja, ich würde gerne aussehen wie „The Big Nasty“.

Ich selber finde, dass es kein Supplement gibt, das echtes Essen ersetzt. Trotzdem finde ich, haben einige Supplements ihre Daseinsberechtigung. Welche Supplements benutzt Du?
Andreas: Jetzt, also ohne Diät, nichts. Kein Protein. Kein Kreatin (eventuell etwas dumm, aber ich vergesse immer drauf). In der Vorbereitung hab ich Rhodiola Extract, Ashwagandha, Multivitamins, Vitman D, Magnesium, EPA/DHA und Kreatin genommen.

Kommen wir zum Training. Wie sieht Dein momentanes Training aus?
Andreas: Ich glaube, dass es das theoretisch perfekte Programm gibt. Aber in der praktischen Welt muss dieses unbedingt auf das Individuum – in erster Linie auf die Adherence – angepasst werden. Ich trainiere seit 3 Monaten wie folgt:

5 Tage hintereinander Ganzkörpertraining, wobei jeder Tag anders aufgebaut ist – unterschiedliche Intensitäten und Übungen, gefolgt von einem klassischen 5er Bodypart Split – also Rücken, Brust, Beine, Schulter, Arme. Kein Pausentag. Funktioniert perfekt, und das Programm gibt es bald auf unserer Website zu erwerben.

Welchen Umfang hat Dein Ärmel (Astl) gerade?
Andreas: Knappe 50.

Wann steht Dein nächster Wettkampf an? Hast Du schon etwas geplant?
Andreas: Nach jetziger Sicht im Winter 2019 – da werde ich Natural Olympia. Mr. World bin ich ja schon. Ich wähle die Wettkämpfe nach der Stadt aus, je nachdem, was diese zu bieten hat. Damit mein ich vor allem Gyms, die ich abchecken kann. Hawaii ist da ganz oben – dort gibt es einen kranken Gerätesammler.

Wenn ich es einmal „pürzelisch“ ausdrücken darf. Wie stark hypertrophieren Deine mentalen Eier nach einer Wettkampfvorbereitung und dann auch noch mit einem Sieg? Welche psychischen Veränderungen stellst Du nun an Dir fest?
Andreas: Das kann man schwer erklären, weil diese Veränderungen immer sehr schleichend passieren. Aber betrachte ich mich heute und vergleiche ich mich mit dem 20jährigen Pürzel, erkenne ich ihn nicht wieder. Und trotzdem weiß ich, dass all die vergangene Unsicherheit und Ängste der Grund für mein heutiges ICH sind. Ich sehe, dass ich nicht stehengeblieben bin. Während so einer Vorbereitung bist du einfach ein Star. Es ist das anabolisierte Klischee eines Machers. Du hast ein Ziel und gibst alles jede Sekunde und schlussendlich stellst du dich deinen Ängsten und machst sie fertig. Training oder eine Wettkampfvorbereitung ist einfach der beste Lehrer fürs Leben. Es gibt so viele Parallelen. Das weißt du einfach, das kann dir niemand mehr nehmen. Dieses Durchhaltevermögen, der Wille zur harten Arbeit und die Sichtweise, Probleme als spannende Herausforderungen zu sehen, sind der Inhalt dicker Eier.

Hat ein Andreas Pürzel überhaupt noch Vorbilder?
Andreas: Neben Arnold Schwarzenegger und Stallone sehe ich täglich im Gym Vorbilder. In Form meiner Mitarbeiter und Mitglieder. Du musst nur hinsehen und erkennst erstrebenswerte Qualitäten.

Wer hat/hatte für Dich persönlich die beste Physique überhaupt?
Andreas: Ich liebe das „knorrige“ an Ed Corny. Das Astl von Schwarzenegger in der Side Chest Pose mit gestreckten Armen ist unerreichbar. Lat von Yates – ein Traum. Ich schreibe hier die „richtigen Bodybuilder“ auf, weil Valentin sicher die dopinggeprüften erwähnt.

Andreas, vielen Dank für das Interview. Hast Du noch ein paar Abschließende Worte?
Andreas: Geht’s alle voll drauf.

Valentin, Du bist Personal Trainer. Was hast Du vorher gemacht und wie hast Du dich entschieden, diesen Weg einzuschlagen?
Valentin: Ich habe vorher in der Werbung im Bereich Motion Graphics, Art Direction und 3D-Rendering gearbeitet. Als ich 2014 die Dipl. Strength Coach Ausbildung bei Intelligent Strength absolviert habe, wusste ich dass meine berufliche Zukunft in der Fitnessbranche liegen wird. 

Dir wird absolute Professionalität nachgesagt. Das erfordert sehr viel Disziplin. Geht Dir das locker von der Hand oder musst Du oft streng mit Dir selbst ins Gericht gehen um immer 100% zu geben.
Valentin: Es erfordert Disziplin eine Balance zu finden. Eine Balance aus streng zu sich selbst sein, aber gleichzeitig nicht einem starren Perfektionsdenken zu verfallen. Perfektion ist eine Illusion. Aber das Streben nach Perfektion garantiert Qualität. Ich muss streng mit mir selbst sein diese Balance immer aufrechtzuerhalten. 

Stimmt es, dass Du ein ganzes Jahr lang auf Diät warst? Was für einen Menschen hat das aus Dir gemacht?
Valentin: Ich habe meine Wettkampfvorbereitung am 1. November 2016 begonnen und absolvierte am 19. August 2017 meinen letzten und dritten Wettkampf dieser Saison. Ursprünglich war so eine lange Diät nicht geplant, ich wollte aber mit dem Wettkampf im August meinen Profi-Status in dem Verband der IPE bestätigen. Langfristig machte das am meisten Sinn, da ich mich in meiner nächsten Wettkampfsaison (2020) nicht neu für Profi-Wettkämpfe qualifizieren wollte.

Wie auch in meiner ersten Wettkampfsaison 2014 konnte ich sehr viel über mich selbst lernen. Das ist nicht immer so toll wie man sich das vielleicht vorstellt, aber es formt den Charakter und baut mentale Substanz auf. Die Monate Juni-August 2017 waren das härteste was ich jemals gemacht habe. Die Ausdauer die ich in diesen Monaten aufbauen konnte, wird mir noch sehr lange in sämtlichen Lebensbereichen zugute kommen. 

Andi mit seinem Vorbereiter und Freund Valentin.

Du bereitest selbst auch Athleten für den Wettkampf vor. Für mich ist das die Königsklasse des Coachings, aus einem Menschen mit einer super Figur nochmal das beste rauszuholen und ihn zu einem Adonis zu formen. Welche Erfolge kannst Du als Coach bereits verbuchen?
Valentin: 2017 war mein erstes Jahr in dem ich mehrere Wettkampf Athleten vorbereiten durfte, unter anderem auch Andreas. Insgesamt holten meine Athleten 9 Klassensiege, 5 Gesamtsiege und 5 Pro Cards sowohl in Europa als auch den USA. 

Du bist ein Teil des Intelligent Strength - Teams. Wie habt Ihr (Du und Andreas) euch kennengelernt?
Valentin: Ich habe 2014 die Strength Coach Ausbildung von Intelligent Strength bei Andreas absolviert. Diese Ausbildung stellte einen kompletten Neubeginn für mich dar. Ab diesem Zeitpunkt konsumierte ich so viel Informationen über Training und Ernährung wie nur möglich und dieser Drang immer mehr zu lernen blieb bis heute bestehen.

Mit welcher Einstellung gehst Du ins Training bzw. wie sieht Dein Training aus? Gehst Du jeden Satz bis an Deine Grenze und das Muskelversagen?
Valentin: Mit jedem Training ist mein Ziel dass ich mich steigere. Sei es in Form von Gewicht, Wiederholungen oder beides. Schlussendlich muss das Training über lange Zeit härter werden, ansonsten gibt es keinen Grund für den Körper sich anzupassen. 

Ob ich zum Muskelversagen gehe, hängt stark von der Übung und meiner Tagesverfassung ab. Generell erzeugt Muskelversagen mehr Ermüdung als ein Satz mit 1-2 Reps in Reserve (RIR). Je näher man ans Muskelversagen kommt, desto mächtiger der Stimulus. Ich tendiere dazu meine Sätze im Bereich von 0-2 RIR durchzuführen.

Wie motivierst Du dich?
Valentin: Motivation kommt und geht. Die eigene Grundeinstellung zum Leben ist viel wichtiger. Ich will mich immer und überall verbessern. Das an sich motiviert mich - ich brauche dafür keine extrinische Motivation. 

Was sind Deine nächsten Ziele? Sportlich wie auch beruflich gesehen?
Valentin: Sportlich ist mein Ziel 2020 wieder auf die Bühne zu gehen und mich neben anderen naturalen Profis zu behaupten. 

Beruflich werde ich dieses Jahr danach streben, mit meinen Athleten mehr Klassen-, Gesamtsiege und Pro Cards als 2017 zu holen. 

Hast Du eine Muskelgruppe, die Du als Schwachstelle bezeichnen würdest?
Valentin: Ich habe mehrere Schwachstellen, aber der Rücken ist definitiv meine größte.

Wieviel Aufmerksamkeit bekommt sie? Trainierst Du sie härter oder häufiger als andere?
Valentin: Die Häufigkeit (Trainingsfrequenz) ist das eine, die Summe der Arbeit (Trainingsvolumen) das andere. Momentan trainiere ich den Rücken 3x pro Woche. Bei Schwachstellen spielt die relative Intensität (nicht die absolute Intensität wie % vom 1RM) eine große Rolle. Meiner Erfahrung nach tendiert man bei schwachen Muskelgruppen dazu, nicht an seine Grenzen zu gehen. Deswegen sind sie auch Schwachstellen. Daher empfehle ich jedem, sich selbst beim Training zu filmen um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, ob man sich wirklich hart genug pusht. 

Viele entschuldigen ihr ausbleibendes Wachstum mit mangelhafter Genetik und greifen zu schnell zu illegalen Medikamenten? Was hälst Du davon und was würdest Du jemandem Raten, der diese Gedanken hat?
Valentin: Wenn jemand aufgrund mangelhafter Genetik zu Steroiden greift, dann sehe ich hier ein maßgebliches Verständnisproblem. Steroide ändern nichts an der Genetik. Steroide maximieren das genetische Potenzial. Ist dieses sehr gering, kann keine Substanz dieser Welt etwas daran ändern. 

Profi Valentin Tambosi (Instagram: @valentintambosi) 

Was ist Deine Meinung zu den riesigen Monstern, die mittlerweile das Bild des Mr. Olympia verkörpern?
Valentin: Es liegt in der Natur des Menschen die Dinge immer weiter zu pushen. Wir suchen das Extreme. So auch im Bodybuilding. Da ich nie der große Fan der 70er oder 80er im Bodybuilding war, hab ich kein Problem mit dem aktuellen Look der Athleten beim Mr. O. Ich sehe das ganze immer im Rahmen einer nie endenden Evolution und weiß, dass sich der Look ständig ändern und weiterentwickeln wird.

Hast Du eine bestimmte klassische Diät, die Du in der Wettkampfvorbereitung fährst, wie Keto oder Old school Diet?
Valentin: Nein. Jede Ernährungsform ist als Tool zu sehen und nicht als die ultimative Lösung aller Probleme. Im Rahmen einer Wettkampfdiät kann zB Keto gezwungener Maßen in den letzten Wochen zum Einsatz kommen, weil irgendwie Kalorien gekürzt werden müssen.

Ich finde, man kann sich noch so gut ernähren, aber wenn die Einstellung im Training nicht stimmt, dann bleiben auch die „Gains“ aus. Andersrum ist es allerdings das selbe. In welchem Verhältnis siehst Du das Training zur Ernährung stehen um wirklich weiter zu kommen?
Valentin: Beides ist natürlich wichtig. Ich halte wenig von Aussagen wie “80% Ernährung, 20% Training” - das ist kompletter Bullshit. Je nach Ziel kann der Fokus mehr auf die Ernährung (Fettabbau) oder mehr auf das Training (Muskelaufbau) gelegt werden, aber beides geht Hand in Hand. 

Was hälst Du von Supplements und mit welchen ergänzt Du deine Ernährung?
Valentin: Ich halte sehr viel von Supplements, welche der Allgemeingesundheit zugute tragen. Zu den Supplements die ich aktuell verwende gehören Kreatin Monohydrat, Koffein, Magnesium, Zink, Omega-3, Vitamin D, Vitamin C und Ashwagandha.

Zu den Stoßzeiten ist es in jedem Gym voller. Morgens ist es meist leerer. Geht ein Profi lieber alleine in einem leereren Gym trainieren und hat seine Ruhe, oder mit jedem anderen gemeinsam um auch soziale Kontakte zu pflegen?
Valentin: Ich kann mit beiden Situationen sehr gut umgehen. Ich trainiere meistens alleine, bin im Gym aber immer von Leuten umgeben, die ich kenne. 

Was macht für Dich selbst „Das GYM“ aus? Sind es die Menschen? Die verspielte Liebe zum Detail? Oder das erstklassige Equipment?
Valentin: Die Atmosphäre und die Menschen. Ich war in den letzten Jahren in vielen Gyms und konnte zahlreiche Eindrücke sammeln. Kein Gym kombiniert Bodybuilding, Powerlifting, Strongman und Weightlifting wie Das GYM. 

Wenn ich als Bodybuilder einem Strongman bei einem 140kg Loglift zuschauen kann, hat das vielleicht wenig Übertrag auf meinen Sport, aber ich kann diese Eindrücke in meinen nächsten Satz Kniebeugen einfließen lassen. Und wäre es ein Satz Curls wäre das auch scheißegal. Was zählt ist das man umgeben ist von Menschen die ihre Grenzen suchen und diese überschreiten. Immer und immer und immer und immer wieder. 

Wer hat/hatte für Dich die beste Physique überhaupt?
Valentin: Unmöglich zu sagen. Sowohl im naturalen als auch im unterstützten Bodybuilding gibt es viele Name die für mich an die Spitze gehören. Von seiner Arbeitseinstellung und Professionalität hat mich immer Brian Whitacre fasziniert, weil er dadurch neben den besten der Welt stehen konnte, trotz seiner nicht elitären genetischen Ausgangslage. Weitere Namen im naturalen Bodybuilding wären Jeff Rodriguez und David Kaye. 

Valentin, ich bedanke mich vielmals bei Dir für das Interview. Hast Du noch ein paar abschließende Worte?
Valentin: Wenn du glaubst du trainierst hart, trainier härter. Es gibt keine Limits. 


Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von www.intelligentstrength.net