Seminar mit Tom Platz

Als ich im Juli auf Tom's Facebook-Seite las, dass er ein Seminar in Köln zum Thema "Beine" gab, musste ich daran teilnehmen. Koste es was es wolle! Nachdem ich Tom eine Nachricht schrieb, dass ich unbedingt an dem Seminar teilnehmen möchte, verwies er mich auf das "Trainingslager" in Köln. Das Gym, das eine super Mischung aus Fitness/Bodybuilding/ Kraftsport und Crossfit (nicht so meins!) hinbekommen hat. Das Studio lebt von seiner Authentizität. Ich kannte das Gym bereits von der A-Lizenz. Hier habe ich meine theoretische- sowie praktische Prüfung erfolgreich abgelegt. Jedenfalls war das Gym nur der Austragungsort und nicht der Veranstalter. Der Veranstalter war Matthias, ein Mitarbeiter vom Trainingslager, mit dem ich nach kurzem Schriftverkehr schnell auf einer Wellenlänge war. Jedenfalls war ich echt schnell angemeldet und musste nur noch die Zeit abwarten, bis ich Tom Platz - The Golden Eagle endlich einmal live sehen und erleben durfte.

Als ich noch ein kleiner Knirps war und mein Vater mir aus seiner erfolgreichsten Zeit im Bodybuilding erzählte, fiel immer wieder ein Name: Tom Platz! Mr. Leg aka the Quadfather. Niemand hat jemals solche Beine gehabt wie Tom! Er ist durch seine Beine und seine Lebenseinstellung, so wie Trainingsmoral zur Legende geworden.

Der 8. September war endlich erreicht und ich habe wirklich vielen von meiner bevorstehenden Begegnung mit Mr. Platz erzählt. Alle wünschten mir viel Spaß und erwarteten ein Feedback. Noch Vormittags hatte ich ein PT bei dem die Kundin am liebsten mitgefahren wäre. Die Zeit war da und ich fuhr los in Richtung Köln. Es regnete den ganzen Tag in Strömen. Aber selbst ein Hurricane konnte mich nicht von diesem Event abhalten. Und auch mit Navi habe ich mich mal wieder verfahren, da Straßensperrungen mich vom direkten weg abhielten. Aber das ist für Köln und mich ganz normal. Ich verfahre mich fast immer in Köln! Da ich allerdings eine grobe Ortskenntnis besitze, habe ich mein Auto auf gut Glück in einer vermuteten Nähe vom Trainingslager geparkt. Jetzt nur noch die Parkuhr füttern. 20 Minuten parken für 1€? Wucher!!! Aber was will ich machen? Also fütterte ich die Parkuhr mit meinem ganzen Kleingeld. Natürlich kam ich mit meinen 6€ nicht so weit, wie ich wollte. Aber das war jetzt auch egal. Ich lief zum Glück nur wenige 100m durch den Regen zum Trainingslager.

Der Veranstalter Matthias (@mazzephase)

Nachdem ich mich umgezogen habe fand ich mich mit einigen Teilnehmern in einer Crossfitbox ein. Vom Crossfit halte ich ja persönlich so garnichts. Gewichte auf Zeit so oft wie möglich heben, stoßen, beugen und reißen. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt geht es darum von einer Legende zu lernen und hoffentlich einen Leitfaden zur Muskel Hypertrophie in meinen Chickenlegs zu erhalten. Matthias, der Veranstalter, ist kein Typ dem es um die Kohle geht. Er ist einer der Gründe, warum unser geliebter Sport nicht komplett kommerzialisiert wird und an jeder Ecke, mit jedem Scheiß, Geld gemacht wird. Ihm ging es um die Sache. Er hätte viel mehr Menschen für das Seminar zulassen und sich selber noch die Taschen dick machen können. Ihm war es aber viel wichtiger Tom zu erleben und den wenigen Teilnehmern eine unvergessliche Zeit zu bieten. Und genau das hat er geschafft.


„Als aller erstes: ich bin nicht besser als Ihr! Ich bin genau so ein Typ wie Ihr. Der einzige Unterschied ist, dass ich es mehr wollte!"

Tom Platz

Tom und seine „Squat-Jünger“.

Tom, seine Frau Cha und ihr Assistent wurden von Matthias aus dem Hotel abgeholt. Als sie ankamen und den Raum betraten, stellte jeder die Gespräche ein. Tom begrüßte jeden per Handschlag. Wir bildeten einen Stuhlkreis. Da saß er uns also gegenüber. In seinem braunen Anzug mit olivgrünen Hemd und braunen Lederhosenträgern. Jeder andere hätte darin völlig bescheuert ausgesehen, aber Tom hatte Stil und Klasse. Er eröffnete das Seminar mit folgenden Worten (von mir ins deutsche übersetzt): "Als aller erstes: ich bin nicht besser als Ihr! Ich bin genau so ein Typ wie Ihr. Der einzige Unterschied ist, dass ich es mehr wollte! Die darauf folgenden 2,5 Stunden vergingen leider wie im Flug. Tom erzählte über sich, Gott und die Welt. Alle Themen kamen auf den Tisch und Tom beantwortete jede Frage. Egal ob Medikamentenmissbrauch, Motivation, das Leben, Erfolg, Training usw.

„Sometimes you’re the teacher. Sometimes you’re the student!“

Ich hätte dem Kerl Tage lang zuhören können. Besonders die Geschichten aus der "Golden era of Bodybuilding" haben es den Seminar-Teilnehmern angetan, denn Schließlich wollte jeder wissen, wie es war mit Robby, Frank und Arnold in DEM Gold's Gym, in Venice Beach, zu trainieren. Der Typ ist nicht nur eine Legende. Er ist auch verdammt weise. Sätze wie:"we need less science and more art." Fuck, da ist was verdammt wahres dran! Und das gilt nicht nur im Bodybuilding. Sowas kann man auf das ganze Leben ummünzen. Seine "there is always 5 more reps"-Einstellung sollte jeder beherzigen. Und das taten wir auch alle und waren bis zu den Haarspitzen motiviert.

Nach einer kurzen Pause gab es dann ein Meet and Greet. Es wurden Fotos gemacht und Bilder unterschrieben. Einige ließen sich Ihre Trainingsschuhe unterschreiben. Mittlerweile denk ich mir: "Lange, Du Esel! Warum hast Du das nicht auch gemacht?"
Nicht um mit der Unterschrift im Gym angeben zu können, sondern zur Motivation. Jedes Mal, wenn ich auf meine Trainingsschuhe geschaut hätte, hätte ich an Tom's Worte gedacht und immer 5 Wiederholungen mehr gemacht! Nein, ich hätte sie nicht versucht! Ich hätte sie gemacht! Jedenfalls unterschrieb mir Tom zwei, seiner mitgebrachten Fotos. Eins für mich und eins für meinen Vatter!


„There is always 5 more reps."

Tom Platz

Die Squatschuhe.

Bevor es jetzt aber ans Eingemachte ging, brauchte Tom 5 Freiwillige, die seine Schuhe testeten. Er hatte neben seinem eigenen persönlichen Paar noch 5 paar in verschiedenen Größen dabei zum testen. Er erklärte uns, warum diese Schuhe die ultimativen Squat-Schuhe seien. Und alles machte Sinn. Es gibt für jede Situation und jeden Sport spezielle Schuhe. Egal ob Wanderschuhe, Fußballschuhe oder Schlittschuhe. Warum dann nicht auch fürs Kniebeugen?! Seine Schuhe haben eine leichte Keilsohle aus Holz. Holz ist hart und gibt die Kraft an den Boden weiter. Die Schuhe waren über Knöchelhoch und gaben einem den nötigen halt um sich in einen Rausch zu beugen. Sie erinnerten mehrere Seminarteilnehmer vom aussehen her, an hoch geschnittene Bowlingschuhe. Die Schuhe waren grün und auf der schwarzen Schnalle, die sich über den Spann zog und zur weiteren Stabilität diente, war die Silhouette eines Adlers, in Gold, zu sehen. "The golden Eagle".

Der Körper arbeitet wie ein Zylinder im Kolben.

Tom bereitete uns mental aufs Kniebeugen vor und weihte uns in seine Rituale ein, mit denen er sich vor jedem Kniebeugentraining vorbereitete. Da gab es zum Beispiel dieses ganz dünne kleine Handtuch, welches er jedes mal ehrfürchtig aus seiner Trainingstasche zog um es hauchdünn um seine Stange zu wickeln. Oder das Stampfen bevor man ins Squatrack tritt um sich selbst noch einmal zu pushen und den Körper wachzurütteln. Ich steh auf solche Rituale und ziehe mir beim kniebeugen ebenfalls meine Socken immer so hoch wie möglich. Dadurch wirken die Beine kürzer und im Spiegel scheint es, als hätte man nicht so einen ewig langen weg vor sich. So überzeuge ich meinen Verstand, dass es einfacher scheint. Und wenn es einfacher scheint, dann ist es das auch! Aber nichts desto trotz macht „Squatting“ keinen Spaß! Es ist harte Arbeit und Quälerei. Tom verglich das Squatrack mit einem Altar: „This is where life and death takes place!“. Aber was kommt jetzt? Worauf muss ich mich einstellen? Denn jetzt endlich ging es los.


„This is where life and death takes place!“

Tom Platz

Erster Formcheck.

Wir gingen rüber ans Squatrack und die 5 Versuchskaninchen, die mit seinen Schuhen ausgestatten waren, sollten jetzt den Altar betreten und Buße tuen. Ich bin jemand, dem es immer hoch kommt, wenn ich lese oder höre, wenn jemand von einem „epischen“ Youtubevideo, oder workout berichtet. Das Wort episch wird viel zu häufig benutzt. Und meistens von den falschen Leuten. Was nun aber folgte, war am nächsten dran, um es „episch“ zu nennen. Nacheinander gingen wir in das Squatrack und beugten nur die Stange. Ich bin überzeugt davon, dass meine Kniebeuge ziemlich anständig ist. Aber als Tom meinen Buttwink (das abkippen der Hüfte nach vorne, bei zunehmender Tiefe) bemängelte, war ich natürlich erstmal überrascht. Ein bewusst stärkeres anspannen der Bauchmuskulatur, sollte Abhilfe schaffen. Und siehe da. Der Buttwink wurde weniger. Trotzdem werde ich diesen niemals ganz rausbekommen, da ihn jeder hat und es bei einer solch engen Fußstellung anatomisch nicht möglich ist. Trotzdem ist es gut, seine Technik immer weiter zu verbessern. Denn schließlich bin ich ja deshalb hier. Nachdem wir alle mal die Olympiastange gebeugt haben wurden 10kg pro Seite drauf gepackt. Nach den üblichen 10 Wiederholungen, die jeder machen sollte sagte Tom natürlich: „5 more reps!“. Nachdem wir die 10er Scheibe durch eine 20er austauschten und nun jeder 15 Wiederholungen machte wurde mir so langsam warm. Dann kam wieder eine 10er Scheibe dazu. 80kg ist ja schon ein gutes Gewicht für einen 78kg schwerden Typen. Also machte ich, wie jeder andere auch, nach den 10 Wiederholungen die üblichen 5 mehr. Da ich morgens nicht wusste, was mir bei dem Seminar blühte und wie der Ablauf war, habe ich gegen 13 Uhr das letzte mal gegessen. Mittlerweile war es 20 Uhr. Ich war also echt platt und merkte meinen Kreislauf das erste mal. Als die 10er Scheibe dann auch durch eine 20er ausgetauscht wurde und dann 100kg in der Aufnahme des Squatracks lagen, dachte ich mir nur: „Alter, wo will der mit uns hin?“ Ich hab mal mit einem Spotter, mit viel Hilfe 6 Wiederholungen mit 120kg gemacht. Die 100kg bewege ich höchstens 6-8 mal alleine.


„Give it everything you got!“

Tom Platz

Vor mir war Nils dran. Ein junger, schlachsiger Typ, der eine athletische Figur hatte. Der Bursche war aber zäh und gab nicht auf. Der Typ hat mit Tom’s Motivation völlig wahnsinnige 30 Wiederholungen mit 100kg gemacht! Doch jetzt war ich dran. Angst hatte ich keine, aber Respekt. Tom sagte mir noch vorher: „You are not him! You don’t have to do that much!“ Fuck, ich bin froh wenn ich 10 Wiederholungen schaffe. Das war erstmal mein Ziel. Aber wenn ein Tom Platz dich motivierend anschreit, dann hörst Du nicht einfach so auf! Die 10 Wiederholungen habe ich auch gut hinbekommen. Klar, die Blöße gab ich mir jetzt nicht. „Und wenn ich jetzt von der Stange beerdigt werde…Du hörst nicht auf!“ nach der 10. Wiederholung schrie Tom: „Come on, give me 5 more!“ Ich war wie in einem Rausch. Ich hab geschrien wie Irre. Tom natürlich auch. Und ich glaube sogar, dass die anderen Teilnehmer mich ebenfalls angefeuert haben. Aber ich konnte neben meinen Kraftschreien nur noch Tom’s Stimme herausfiltern. Nach 14 Wiederholungen dachte ich mir nur: „Komm! Eine noch! Dann hast Du es geschafft!“ Doch falsch gedacht. Tom schrie noch einmal: „Come on, 3 more!“ Ich muss zugeben, die letzten zwei Wiederholungen waren nicht mehr 100% sauber, aber das war mir in diesem Moment so egal. Ich habe 18 Wiederholungen mit 100kg gemacht. Das hätte ich niemals gedacht! Tom streckte mir die Hand entgegen und sagte nur: „Good Job!“ Die anderen klatschten Beifall. Glaube ich zumindest. Ich war jetzt eigentlich nur noch Glücklich, voller Endorphine und schnappte nach Luft. Ich weiß auch nicht mehr wieviel die anderen noch geschafft haben. Ich weiß nur, dass ich sie mit anfeuerte, sobald ich wieder ein bisschen klar kam.

The Quadfather in der Hackenschmittmaschine.

Nach diesem „Kniebeugen-Massaker“ wie coole Instagrammer es betiteln würden, zogen wir die Schuhe aus und begaben uns zur Hackenschmitt-Maschine. Hier waren jetzt andere Teilnehmer dran. Tom erklärte seine spezielle Technik um besonders den äußeren Kopf (vastus lateralis) des Quadrizeps zu treffen. Hier ging Tom nicht an das Maximum sondern erklärte uns viel mehr die Technik und worauf es ankam. Das sah beim Beinbeuger schon wieder ganz anders aus. Hier fragte er vorher, ob die Teilnehmer irgendwelche Einschränkungen oder Verletzungen in den Knien und der gleichen hatten. Er sicherte sich ab und jeder wusste, was jetzt kam. Sobald die Teilnehmer warm waren ließ er die 3 Auserwählten jeweils ca. 20 Wiederholungen machen. Er zählte aber nicht, sondern sagte nur: „Give me 5 more!“ Nachdem die Jungs mit Tom’s Hilfe die letzten Wiederholungen schafften, sollten sie ihren Punkt finden an dem sie die Spannung halten konnten. Also eine Isometrische Bewegung. Einfach nur halten. Tom drückte die Beine nach unten und streckte sie. Diese Technik, oder auch Folter, sei extrem effektiv, weil maximale Zerstörung und Mikrotraumen hervorgerufen werden. Wie wenn man eine Katze von hinten nach vorne streichelt, müsse man sich die Muskelfasern jetzt vorstellen. Die Jungs kämpften alle, doch früher oder später bezwang Tom sie. „Give it everything you got!“ Schrie er sie an. Die Teilnehmer schrien einfach nur vor Schmerzen. Jeder, der sich einmal mit Tom Platz bei Youtube beschäftigt hat, wird früher oder später auf solche Übungen stoßen. Aber das einmal Live zu erleben, war einfach nur der Hammer. Danach sagte er einfach nur trocken: „That’s one set!“

„Give it everything you got!“

Doch bevor wir das Seminar beendeten, bat Michael, ein unfassbar sympathischer Wettkampfathlet aus Franken, Tom uns doch noch einmal den Beinstrecker zu zeigen. Wir waren schon anderthalb Stunden über der Zeit und Tom willigte ein letztes mal ein. Michael war dann auch derjenige, der sich warm machen sollte. Sobald er warm war und in seinem Arbeitssatz bis ans Muskelversagen ging, half Tom nochmal nach und streckte seine Beine. Oben dann kam nur: „Find your Tensionpoint.“ Und dann schmiss Tom sich ein letztes mal auf den Beinstrecker und drückte Michaels Unterschenkel, gegen seinen Willen nach unten. Ein völlig krankes Bild offenbarte sich den Teilnehmern. Michaels Beine zitterten zuerst. Dann irgendwann sein ganzer Körper. Und zum Schluss wurde einfach nur noch geschrien. Beeindruckend, welche Power man noch in der Isometrischen Bewegung aufbringen kann. Michael hat bis zum Schluss gekämpft und Herz gezeigt, bis auch Tom ihn bezwang.

Tom bedanke sich bei uns für unsere Leidenschaft und unser Interesse. Er fügte hinzu: „You are the reason Bodybuilding is still alive.“ In der Umkleide kam ich noch mit 3 Typen ins Gespräch, mit denen ich das ganze Seminar nicht wirklich gesprochen habe. Hat sich halt leider nicht so ergeben. Die Jungs kamen doch tatsächlich aus Willich, direkt neben Meerbusch. Und einer der Jungs, Jörn, hat sogar ein eigenes Gym, in dem seine zwei Buddies trainieren. Wir haben es zwar noch nicht geschafft zusammen zu trainieren, doch das haben wir uns fest vorgenommen. Unfassbar, wie der Sport doch verbindet und wie schnell man gleichgesinnte kennenlernt. Doch der Abend sollte noch nicht zu Ende sein. Matthias hat einen Tisch, in einem Brauhaus um die Ecke, reserviert. Das coole war, dass Tom mit seiner Frau mitkam. Irgendwie unglaublich abends neben einer Bodybuildinglegende über die Zülpicher Straße, eine Partymeile, zu gehen und dabei über Big Ramy und seine unfassbare Muskelmasse zu philosophieren.  Sobald ich wusste, wo das Brauhaus war, schaute ich erstmal nach meinem Auto. Es stand noch an Ort und Stelle. Ohne Parkkralle oder Knöllchen. Also ist parken in der Kölner Innenstadt ja doch recht günstig. Zumindest an diesem Tag. Zurück im Brauhaus gesellte ich mich zu der sehr überschaubaren Gruppe. Wir aßen alle gemeinsam noch ein wenig und quatschten. Das Thema war natürlich klar: Bodybuilding.


„You are the reason Bodybuilding is still alive.“

Tom Platz

Im Nachhinein hatte ich einen unfassbaren Tag. Tom hat nicht nur mich, sondern auch alle andern Seminarteilnehmer mental auf die nächste Ebene gebracht. Mit meinem neuen Wissen habe ich natürlich meinen Trainingsplan umgestellt und breche seit dem jedes Training neue persönliche Rekorde. Seit dem ich die 100kg 18 mal gebeugt habe, scheinen mir die 100kg keine magische Grenze mehr zu sein. Mir wurde wieder verdeutlicht, dass der Verstand viel früher einen Satz beendet als der Muskel. Und besonders haben die Beine eine unvorstellbare Power. Man geht schließlich sein ganzes Leben auf ihnen. Natürlich können die viel ab! Jedem Anfänger und Sportmuffel würde ich dazu raten, aufzuhören, wenn man nicht mehr kann. Aber jedem, der in einem fortgeschrittenen Stadium trainiert, sollte wirklich erst dann aufhören, wenn nichts mehr geht. Und das entscheidet der Muskel und nicht der Kopf. Ein Brennen im Muskel, heißt nicht gleich, dass Du nicht mehr kannst. „When you think, you’re done. There is always 5 more reps!“ Und so lernt man, alles zu schaffen. Egal in welcher Lebenssituation. Und besonders so verinnerlicht man, dass man sich keine Grenzen setzen darf. Dein Körper sagt Dir, wann Schluß ist, nicht Dein Verstand. „Dare to Dream!“

Jedenfalls habe ich jetzt einen schweren und einen leichten Tag, an dem ich squatte. Ich war wieder wie in einer anderen Welt, nachdem ich an einem „high reps“-Tag 60kg 45 mal gebeugt habe und die Hantel nach hinten ins Powerrack schmeißen musste, weil ich nicht mehr hoch kam. Oder als ich an meinem „low reps“-Tag die 110kg 8 mal sauber gebeugt habe, danach 120kg 3 mal und die 130kg 2 mal. Ich weiß, ich bin nicht der stärkste, aber diese Erfolge bringen Dich in eine andere Welt. Und Tom hat absolut recht, wenn er sagt, dass das Kniebeugen ein getrennter Sport vom Bodybuilding ist. Ich habe vor dem Seminar das Kniebeugen, trotz meiner Chicken Legs, als wichtigste Übung überhaupt gepredigt. Aber jetzt, sehe ich es als eine art Religion an.

Also betritt den Altar und tue Buße.

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von www.athletes-photography.com